|
>> Erlebnisbericht von
Stefan << als
pdf
Tag 0 - Bekannte Gesichter und ein
paar Problemfälle…
Früh aufstehen, an den Wettkampf
fahren, den Wettkampf absolvieren, duschen, nach Hause
fahren. So läuft es üblicherweise ab. Wenn PlanB etwas
organisiert, dann ist alles anders. Herzliche
Begrüssung, viele bekannte Gesichter, jeden Abend
gemeinsames Nachtessen aller Teilnehmenden, jeden Abend
ein tolles Fest mit Bildern und Film des Tages, Vorschau
auf den nächsten Tag. Und sogar unterwegs immer wieder
Gespräche mit anderen Teilnehmenden.
Marco mit einem neuen Laufschuh und
dem Frust vom nicht fertig gelaufenen Zugspitze
Ultratrail im Gepäck, Stefan K mit dem gleichen Gepäck
vom Ultratrail und zusätzlich einem dick eingebundenen
Knie mit Meniskusproblemen. Ursi und Stefan S. locker,
mit einem schönen Zugspitze-Erlebnis als Aufsteller.
Dann schon die erste Pasta-Party. Noch machte es Spass,
mit ein paar guten Teigwaren die Kohlenhydratspeicher zu
füllen. Dazu ein Weizen, oder zwei…(oder drei). Dass
Ursi dabei ist, haben wir erst kurz vor dem Anlass
herausgefunden. Sie hatte sich ganz heimlich angemeldet.
Zuerst gilt es dann, im Hotelzimmer
alles in die erhaltene 100-Liter Salomon-Tasche zu
füllen, denn nur diese wird transportiert. Ein Vorteil
für diejenigen, die alles in einer klein
zusammenlegbaren IKEA-Tasche angeschleppt haben. Dann
alles vorbereiten für die erste Etappe.
Tag 1 – Hitzestau
Von Garmisch nach Ehrwald.
Materialkontolle vor dem Start. Die ganze
Pflichtausrüstung wird kontrolliert. Mit 36 km und 2'500
Hm eigentlich eine ideale Aufwärmetappe. Den
Zugspitzläufern ist die Strecke grösstenteils bekannt,
denn die Strecke beinhaltet den letzten Auf- und Abstieg
vom Ultratrail, sowie einen grossen Teil der Strecke ab
dem Ultratrailstart in Grainau. Nichts mit Aufwärmen. Es
ist heiss. Die Strecke führt kaum über 2'000 MüM. Mit
vielen nicht allzu langen Auf- und Abstiegen.
Flüssigkeitszufuhr ist das Wichtigste, und Salz (was
auch Marco noch lernen wird). Eigentlich keine schöne
Etappe für uns Bergläufer, weil man fast nur im Wald
ist. Immerhin, das Knie von Stefan K hält. Wir sind
jetzt in Österreich. Duschen. Schinken-Käse-Toast,
Weizenbier. Und am Abend Teigwaren.
Tag 2 -
Dehydration, Zehennagelbohren und das Matterhorn von
Imst
Von Ehrwald nach Imst. Der Start wird
vorverlegt auf 7 Uhr wegen den für nachmittags
angesagten Gewittern. Frühstück um 5 Uhr. Der Bauch ist
noch voll Teigwaren. Ein erstes Mal schon der Kampf mit
dem Essen müssen. Immerhin stehen heute 44 km und
+2’700/-2’900Hm auf dem Programm und gleich zu Beginn
ein Anstieg von 1'300 Hm. Wieder genaue
Materialkontrolle, wie auch in den nächsten Tagen.
Stefan K. mit einem schön rot-weiss (Österreich oder
Schweiz?) eingebundenen Knie. Beim zweiten Anstieg zeigt
sich dann, wer das Profil und die Standorte der 3
Verpflegungsstellen gut studiert hat. Einige Läufer
kommen völlig dehydriert zum letzten Posten. Stefan K
kann sich mit einem Schluck aus einer Fotografenflasche
und mit Schwindel gerade noch zur letzten
Verpflegungsstelle retten, während Marco mit Stefan S.
im Nacken mit Blasen an den Füssen und mit blauen Zehen
kämpft. Zum Glück kann er sich bei Salomon andere
Laufschuhe auslehnen. Eine Nummer grösser als üblich,
wegen den blauen grossen Zehen. Es braucht aber auch
einiges, einen Schuh in US 11 zu kaufen, wenn man
eigentlich UK 11 hat… Marco weiss jetzt: UK und US sind
nicht nur verschiedene Länder, sondern auch verschiedene
Schuhgrössen. Und er weiss jetzt auch, wie man
Zehennägel von oben her aufbohrt, damit das Blut raus
kann. Stefan K beobachtet die Operation während ein
Mitglied des Rescue-Teams auf ihn zeigt und fragt, ob es
ihm nicht gut gehe. Er weiss halt nicht, dass Stefan K.
immer so dreinschaut. Auch Ursi trifft ein. Zufrieden,
sie nimmt’s easy. Wir schauen jeweils das Höhenprofil
an, sie die maximalen Durchgangszeiten an den
Kontrollstellen. Aber die werden im ganzen 4Trails nie
ein Problem für sie. Duschen, Schinken-Käse-Toast,
Weizenbier. Am Abend dann wieder… Pasta. Genau. Bis zum
Halszäpfli. Wenn wir reden sieht man sicher hinten im
Hals Teigwaren. Aber: Es war eine wunderschöne Strecke!
Und als Abschluss erhält Stefan S. bei der Siegerehrung
des Tages noch ein paar Geschenke vom
Tourismusverantwortlichen von Imst, darunter eines mit
einem Bild vom Matterhorn drauf. Der Marketing-Supergau.
Tag 3- Bergsteigen
Von Imst nach
Landeck. Nur 31 km und 1'900 Hm. Aber mit einem
Startaufstieg von 700 MüM auf 2'200
MüM…und einem anschliessenden Abstieg mit 1’500 Hm.
Vorgesehen wäre eigentlich ein Aufstieg auf 2'500 MüM
gewesen. Die Organisatoren wollen aber das Glück nach
dem gestrigen Tag nicht herausfordern und nehmen
aurfgrund der erneuten Gewittergefahr in den Bergen eine
leichte Korrektur vor. Das Knie von Stefan K hält immer
noch. Das Rescue-Team leistet gute Arbeit. Eingebunden
wie ein Kriegsversehrter zieht Stefan K sein Ding durch.
Kurz nach dem Start entschwindet er auch heute wieder.
Es geht über wunderschöne Trails mit einem grossartigen
Panorama, auch wenn teilweise der Nebel die Sicht etwas
einschränkt. Duschen. Schinken-Käse-Toast, Weizenbier.
Und am Abend Teigwaren. Nach einer Intervention der
Organisatoren kann der an diesem Abend für das Essen
Verantwortliche sogar gezwungen werden, uns
nachzuschöpfen. Wobei er die Portionen peinlich genau
zählt und notiert. Beim Nachtschoppen in unserem Hotel
zeigt sich der Hotelbesitzer entsetzt über diese
Unverschämtheit und diesen Geiz, während sein Frau uns
mitleidig fragt, ob sie uns noch etwas zu essen machen
soll.
Tag 4 – Einzug ins Bündnerland
Von Landeck nach Samnaun. 45km mit
3'000 Hm stehen auf dem Programm. Die Königsetappe zum
Schluss. Stefan S. geht es heute darum, seinen zweiten
Kategorienplatz zu verteidigen. Nur nicht heute eine
Krise einfangen. Er packt alles an Verpflegung in den
Rucksack, was er noch hat. Plus 1.5 Liter in die
Trinkblase, einen halben Liter in eine separate Flasche
und 2 dl. Recoveryshake. Wegen Sehnenschmerzen am
rechten Bein kommt sicherheitshalber auch noch eine
Schmerztablette in den Rucksack. Stefan K. mit
eingebundenem Knie wie immer. Von knapp 800 MüM geht es
gleich einmal hinauf auf 2'400 MüM. Steil, teilweise in
der Direttissima den Hang hinauf. Und Marco beginnt
Gefallen zu finden an Cherry-Tomaten mit Salz. Im
zweiten Anstieg geht es dann hinauf zum höchsten Punkt
der 4 Trails auf fast 2'800 MüM. Danach verschiedene
Passagen, wo man sich fragt, wo denn zwischen all diesen
grossen Steinen ein Weg sein soll. Einziger Anhaltspunkt
sind orange Markierungen. Von Weg oder Trail keine Spur.
Zum Schluss dann noch ein fast 9 Km langes letztes
coupiertes Stück nach Samnaun. Die Vertreterin von
Samnaun Tourismus ist begeistert über die Bündner Läufer
und fotografiert uns von allen Seiten. Stefan ist happy
über seinen 2. Kategorienrang, Marco hat seine
Enttäuschung vom Ultratrail in den 4 Tagen verdaut und
Stefan K. zeigt, dass er auch glücklich dreinschauen
kann. Duschen. Schinken-Käse-Toast, Weizenbier.
Allerdings zu ganz anderen Preisen als vorher noch in
Österreich. Dann trifft auch Ursi ein, gut gelaunt. Ihr
ist es jeden Tag besser gegangen. Am Abend mit der
doppelstöckigen Bahn auf den Gipfel, wo – wie es sich
für einen solchen Lauf gehört – eine tolle
Abschlussparty mit Blick auf die Bergwelt stattfindet.
Siegerehrung mit „Second place, from Switzerland,
running for Team Alpinrunner Switzerland…“. Jeder
Finisher wird namentlich nach vorne gerufen und erhält
sein Shirt. Alle übriggebliebenen Shirts kommen in einen
Kehrichtsack und werden verbrannt. Nur wer Finisher ist,
soll mit so einem Shirt herumlaufen dürfen. Und am
Schluss sitzen und stehen alle wieder auf der Bühne. Im
Finishershirt. Und singen „Highway to Hell“. Die
Melodie, die jeden Tag den Start eingeläutet hat.
Tag 5 – Fazit
Der Salomon 4Trails hat Zukunft. Ein
wunderschöner Lauf, vielleicht mit der einen oder
anderen Anpassungsmöglichkeit was die Strecke anbelangt.
Und wieder viele Lauffreunde von früheren Läufen
getroffen und neue kennengelernt. Und man kennt die
Alpinrunner inzwischen. Die roten Shirts „Team
Alpinrunner“ haben den Speaker jeden Tag zu Höhenflügen
getrieben. Sogar Stefan K. wurde beim Zieleinlauf als
„erster Schweizer im Ziel“ ausgerufen. Was ihn sichtlich
berührte, auch wenn der Speaker das dann noch
korrigierte. Und alle, die nicht dabei waren: ihr habt
definitiv etwas verpasst (ärgert euch ruhig ein wenig).
|